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Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Die Volksbühne wurde 1913-14 nach dem Entwurf Oskar Kaufmanns auf dem Rosa-Luxemburg-Platz (ehem. Bülowplatz) in der Mitte Berlins errichtet. 1890 fand die Gründungsversammlung des Vereins 'Freie Volksbühne' statt. 1892 spaltet sich die 'Neue Freie Volksbühne' ab und gibt den Bau des Theaters in Auftrag. Das Ziel der Arbeiter-Besucherorganisation ist es, eine realistisch-zeitnahe Bühnenkunst zu propagieren und den Proletariern verbilligte Theaterbesuche zu ermöglichen. In der Stirnfläche des ursprünglichen Baus war das Motto 'Die Kunst dem Volke' eingemeißelt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Theater fast vollständig zerstört, und der Architekt Hans Richter entwarf den 1950-54 erfolgten Wiederaufbau, in dem er das Äußere vor allem im Dachbereich stark vereinfachte. Inhaltlich waren Erwin Piscator in den 20er und Benno Besson in den 70er Jahren für dieses Theater prägend.
Nach dem Mauerfall wurde die Volksbühne von Frank Castorf übernommen. Der machte es zur vielleicht erfolgreichsten, mit Sicherheit aber zur umstrittensten Bühne im wiedervereinigten Deutschland. Mit einer paradoxen Programmatik, elitär und populistisch, eigensinnig und massenwirksam, verbreitet sie gleichzeitig Aufbruchstimmung und das Bewusstsein der Vergeblichkeit, wobei sie die klassischen Grenzen des Theaters sprengt, aber auch reflexiv bestätigt. Neben Frank Castorfs seismographischen Gegenwartserkundungen und multimedialen Romanadaptionen, sind es Christoph Marthalers Monumente des Stillstands, die theatersprengenden Aktionen von Christoph Schlingensief und der paradox-kritische Regisseur des Turbokapitalismus René Pollesch, die das Bild der Volksbühne prägen. Aber auch die regelmäßigen Theorie-, Musik-, Literatur- und Filmveranstaltungen und 'Themenwochenenden', die dem 'erweiterten Theaterbegriff' der Volksbühne Rechnung tragen, sind konstitutiver Bestandteil dieses Theaters.