Gegründet wurde das Renaissance-Theater 1922 von einem jungen Wiener Schriftsteller namens Theodor Tagger, der einige Jahre später unter dem Pseudonym Ferdinand Bruckner mit Zeitstücken Aufsehen erregte und heute als einer der bedeutendsten Dramatiker der Weimarer Republik gilt.
Spielstätte war der 1919 eingebaute Kinosaal, ursprünglich Restaurationsräume des Charlottenburger Vereinshauses, das 1902 auf dem Eckgrundstück Hardenberg-/ Knesebeckstraße von den Architekten Reimer & Körte für den Akademischen Verein Motiv gebaut worden war. Tagger eröffnete das Renaissance-Theater am 18. Oktober 1922 mit Ludwig Bergers Inszenierung der MISS SARA SAMPSON von Lessing; die Hauptrollen spielten Lucie Höflich, Gertrud Kanitz und Theodor Loos. Auf dem weiteren Spielplan standen vor allem zeitgenössische Autoren und sehr viele Strindberg-Stücke; namhafte Regisseure wie Berthold Karl Heinz Martin und Heinz Hilpert, Schauspieler wie Alexander Granach, Olga Tschechowa, Walther Franck, Helene Weigel arbeiteten hier.
1926 erhielt der renommierte Theaterarchitekt Oskar Kaufmann den Auftrag, das Gebäudeinnere zu einem vollwertigen Theater umzubauen. Nach nur fünf Monaten, am 8. Januar 1927, wurde das Renaissance-Theater wieder eröffnet. Es war Kaufmanns siebentes und letztes Berliner Theater, bevor er 1933 emigrieren mußte.
Das Renaissance-Theater ist das einzige Art-Déco-Theater Europas. Diese Stilkunst der 20er Jahre schuf das moderne Ornament aus einer Synthese von historischen und zeitgenössischen Kunstströmungen - in Oskar Kaufmanns Falle von Rokoko und Expressionismus. Neu und einzigartig ist, daß er seinen unverwechselbaren Stil - die rhythmische, lebendige Einheit von Winkel und Zirkelschlag, von Natürlichkeit und Künstlichkeit, von Gegenständlichkeit und Abstraktion, von Tradition und Innovation - auf ein Theater als Gesamtkunstwerk übertrug.
Der Zuschauerraum verkörpert in idealer Weise den von Kaufmann geschaffenen Raumtypus des „intimen“ Theaters. Gänzlich mit rötlichem Rosenholz verkleidet, wird die Rückwand des ersten Ranges vollständig von einem großflächigen, kostbaren Intarsienwandbild mit Commedia dell´Arte-Szenen des Künstlers César Klein ausgefüllt - auch dieses ist in der Theaterarchitektur einzigartig. Dagegen vermitteln die Foyers und Wandelgänge durch ihre ungewöhnliche Farbenpracht und den dekorativen Detail-Reichtum kunstvoll verarbeiteter Materialien eine verspielte, rokokohaft-festliche Atmosphäre. Dennoch bilden die unterschiedlichen Charaktere von Zuschauerraum und Wandelgängen eine Einheit. Das verbindende Gestaltungsprinzip sind Art-Déco-Ornamente: geometrische Strukturen, die durch konkav-konvexe Schwünge und florale Elemente in Bewegung geraten.
Das Berliner Theaterleben bereicherte das Renaissance-Theater in den späten zwanziger Jahren vor allem mit Inszenierungen des bekannten Regisseurs Gustav Hartung: So wurde unter seiner Regie das Drama KRANKHEIT DER JUGEND von Ferdinand Bruckner 1928 ein Sensationserfolg. Daß sich hinter diesem Pseudonym der Gründungsdirektor des Theaters Theodor Tagger verbarg, stellte sich erst mehr als zwei Jahre später heraus.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verlor Berlin den größten Teil der Künstler, die dem Theaterleben der Stadt seine Blütezeit beschert hatten. Das Renaissance-Theater blieb 1932/33 sogar ganz geschlossen.
Im Zuge der Enteignung der Privattheater wurde aus dem Renaissance-Theater 1943 das „Kleine Haus des Schiller-Theaters“, unter dessen Intendant Heinrich George.
Die erste Theatervorstellung im zerstörten Berlin fand nur wenige Tage nach Kriegsende, am 27. Mai 1945, im Renaissance-Theater statt: Gespielt wurde die Striese-Posse DER RAUB DER SABINERINNEN. Ende 1946 erteilte die britische Besatzungsmacht Prof. Dr. Kurt Raeck die Lizenz zur Wiedereröffnung des Theaters. Die erste Premiere am 11. Dezember 1946 war eine programmatische Kombination von literarischem Anspruch und Unterhaltung - Strindbergs FRÄULEIN JULIE gekoppelt mit der Komödie BOUBOUROCHE von Courteline. In diesem Sinne leitete Kurt Raeck, einer der letzten Theaterprinzipale vom alten Schlage, das Renaissance-Theater bis 1978. Drei Jahrzehnte lang war es „das“ Berliner Schauspieler-Theater. Hier waren alle zu sehen, die einen großen Namen hatten: Victor de Kowa, Lucie Mannheim, Hubert von Meyerinck, Tilla Durieux, Paul Hörbiger, Elisabeth Bergner, O.E. Hasse, Therese Giehse, Curt Goetz, Grete Mosheim und viele andere.
Der Fall der Mauer 1989 brachte für alle Berliner Theater große Veränderungen mit sich. Auch das Renaissance-Theater stand vor der Aufgabe, ein klares Profil für die neue Situation herauszuarbeiten.
1995 übernahm Horst-H. Filohn die Intendanz am Renaissance-Theater. Das Spielplankonzept besteht darin, dem Publikum internationale Gegenwartsdramatik vorzustellen, die einerseits die Zuschauer auf hohem Niveau unterhält und sich andererseits zeitkritisch mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzt. Mit Geschichten von Menschen wird die Geschichte unserer Zeit reflektiert. Daher standen in den letzten Jahren vornehmlich neue Stücke von zeitgenössischen Autoren in Ur- und Erstaufführungen auf dem Spielplan. Der Konsequenz, mit der seither dieses Konzept realisiert wird, ist ein Profil zu verdanken, das keine andere Bühne in der Berliner Theaterlandschaft aufweist.
Nach wie vor ist das Renaissance-Theater eine Bühne der großen Schauspieler, ein Schauspieler-Theater: Mario Adorf, Boris Aljinoviæ, Heinz Bennent, Christian Berkel, Winfried Glatzeder, Maria Hartmann, Ulrike Jackwerth, Imogen Kogge, Walter Kreye, Katherina Lange, Sona MacDonald, Ilse Ritter, Udo Samel, Andrea Sawatzki, Walter Schmidinger, Peter Simonischek, Peter Striebeck, Gerd Wameling, Judy Winter und Daniela Ziegler stehen hier immer wieder auf der Bühne.
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