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Die Stachelschweine
Es begann 1949 in der 'Badewanne'

Im Oktober versammelte Rolf Ulrich die Kollegen aus der Schauspielklasse des Deutschen Theaters Joachim Teege, Alexander Welbat und Klaus Becker um sich. Der Kabarettist Dieter Thierry spendierte den Namen 'Stachelschweine', Welbat organisierte als Auftrittsort die Bühne im Jazzkeller 'Badewanne' und mit Günter Pfitzmann, Horst Gabriel und den Damen Traudel Dombach, Dorle Hintze und Ilse Markgraf stand das erste Ensemble.

Der Erfolg setzte sich im 'Burgkeller', einem Lokal an der Gedächtniskirche mit mühsam ausgebesserten Kriegsschäden, fort. Einem Ort, an dem junge Schauspieler, die den schrecklichen Krieg sehr bewußt erlebt hatten, ein politisch-satirisches Kabarett machten. Ein Kabarett, das für friedlichere Zeiten kämpfen wollte.

Hinzu kam bald der temperamentvolle Motor der Stachelschweine, Wolfgang Gruner. Und die Stachelschweine gingen auf die Straße. Und auch das geschah mit Witz: Mitten am Tage und mitten auf dem turbulenten Kurfürstendamm liefen die Stachelschweine in Schlafanzügen Reklame für sich und ihre Pointen. Die Berliner stiegen sofort darauf ein, vor allem, als sich herumsprach, dass an der Abendkasse nur 'pro Kopp een Knopp' verlangt wurde. Viel Geld konnte man damit nicht verdienen, aber die Stachelschweine wurden populär. Vor allem durch die gezielten Texte, ihre komödiantische Spielfreude und die zupackenden Programme. Kein Wunder, dass Erich Kästner Ihnen ins Stammbuch schrieb: 'Liebe Stachelschweine, laßt Euch nie rasieren!' Und dann setzte er in dicken Lettern die Überschrift ein: 'Überflüssiger Rat'. So begann mit der Geschichte eines Ensembles gleichzeitig auch die Spiegelung der mit der Weltpolitik so eng verbundenen Geschichte Deutschlands, dieser fünf Jahrzehnte. Der Burgkeller bröckelte, schließlich mußte er wegen Einsturzgefahr geschlossen werden.

Die Stachelschweine zogen um zur Rankestraße, in das Lokal 'Ewige Lampe -heute 'Gruner's Kneipe'- das für viele Jahre das eigentliche Domizil der Stachelschweine wurde. Seit 1965 bespielen die Stachelschweine ihr Theater im Europa-Center.

Radioübertragungen und unzählige Fernsehsendunge ließen sich die gekonnte Zeitsatire der Stachelschweine nicht entgehen.

Im Laufe der Zeit änderte sich die Zusammensetzung des Ensembles. Die Stachelschweine sind jedoch immer noch unrasiert, denn auch die Zeiten sind ja trotz aller Umwälzungen keineswegs bequemer geworden.